Zitat von Christine
Was für eine Idylle, Heiner!!!
Danke! Das tut gut, Christine.
Jetzt erzähle ich mal 'ne Geschichte dazu:
Stellt euch vor, ihr guckt aus dem Fenster, so, wie die Kamera herausgeguckt hat. Wir schreiben das Jahr 2001. Das noch winzige Fenster in Schulterhöhe ist nicht zum Öffnen vorgesehen. Unmittelbar vor dem Fenster steht eine Reihe Fichtenschwächlinge, haushoch, dürr, häßlich. So wie eine der in den 60-70ern gepflanzte Fichtenhecke eben aussieht. Links ebenfalls. Alles ist stockfinster, durch das Fenster, ein Nordfenster, dringt kaum ein Lichtstrahl. Wenn man durch die noch nicht existente Markise steil nach unten guckt, sieht man eine Betonplatte mit einem Flüssiggastank drauf. Daran angrenzend eine mit Betonverbundpflaster belegte Fläche von rund 10 mal 30 Metern. Ein ehemaliger LKW-Parkplatz. Ein trostloser Ort, grau und verschattet. Kein Hälmchen zwischen den Verbundsteinen, das Leben signalisieren Würde.
2002, ein Jahr später: Fichten gefällt. Betonpflaster auf eine Breite von 3 bis 4 Steinen im Verlauf der über den Parkplatz verlaufenden Grundstücksgrenze aufgenommen. Darunter ist eine Lage von 10 cm Split, unter dem wiederum Schotter, 30 cm, mit dem Rüttler und von Tausenden von LKW-Rangierprozessen unvorstellbar fest verdichtet. Für das Aufnehmen von nur einem Meter des Schotters mit schwerem elektrischem Bohrmeißel und Spitzhacke und Spaten in Spatenbreite und Spatentiefe braucht man zwei bis drei Stunden, so ultrahart ist der. Fundamente für Zaunstützen rein, in Mörteleimergröße. Einbetoniert. Pfosten drauf. Übermannshoher, blickdichter Lärchenbretterzaun dazwischen. Die Rinne im Schotter mit reiner Komposterde aufgefüllt. Kletterrosen rein. Clematis rein, auch Efeu, Wein, Blauregen, Lonicera usw. Alles, was geeignet ist, den Zaun zu verhüllen und den Betonparkplatz auszuschließen. Das Pflaster innerhalb des Zaunes wird aufgenommen. Zum Auskoffern des Schotters fehlen Kraft und Geld. Egal. Steinige Erde in Pflasterstärke darüber aufgefüllt. Wiese ausgesäht. Der Anfang ist gemacht.
2008, heute, am 10. Oktober: Ein verwunschenes Plätzchen. Mehr Garten haben wir offiziell nicht. Aber Straßenränder und Bahndamm "in Pflege" genommen. So ist aus einer Wüste, die Momos grauen Herren alle Ehre gemacht hätte, eine kleine Oase geworden. Siehe Bild oben ...
Und nun zurück zu meiner eingänglichen Frage, wieviel Dünger Clematis brauchen. Eigentlich kann man sie nicht gezielt düngen. Es ist einfach keine Erde da, die gedüngt werden könnte: Dicht verwachsene Wurzelpakete aller Zaunbewohner im spatengroßen Schottergraben stehen über Bodenniveau -- kein Krümel wirklicher Erde sichtbar. Ich werfe einmal im Jahr Animalin und Hornspäne drauf, darüber eine Lage Kompost vom eigenen oder aus dem Kompostwerk. Das reicht und reicht doch nicht. Der über allem anderen oberflächlich wurzelnde Efeu zieht sich das alles rein. Ich schneide ihn mehrmals jährlich. Rosen, C. tangutica und ihre anderen wilden Schwestern wirken immer mehr oder weniger unterernährt. Dennoch ist der Efeu ein guter Freund. Er erfreut im Winter mit seinem grünen Kleid uns

und die Amseln, die ihn zur Heimat erkoren haben.