Hallo allerseits,
möchte heute mal ein Thema ins Spiel bringen, welches man zum erfolgreichen Kultivieren auch kennen sollte. Nun erst mal keine unnötige Sorge bei denen, die es nicht so mit der Chemie haben. Ich habe nicht vor euch nun mit riesigen Tabellen, Formeln und chemischen Fachbegriffen zu quälen. Sondern das Ganze, ganz praktisch. Der Überschaubarkeit halber gehe ich die auf die Ausnahmen erst am Schluss ein.
Also ich nehme an, das fast jeder von euch schon mal einen Naturstandort von Orchideen besucht hat. Den meisten wird dabei schon mal die Frage beschäftigt haben, wieso wachsen die gerade hier und dort nicht, warum hier auf dem Kalkboden und 100 Meter weiter auf dem Sandstein nicht. Und so weiter.
Das Phänomen findet man sogar in den Gebirgen des Mittelmeerraumes. Auf Meereshöhe dort aber nicht. Was liegt also näher als die Ursache im Boden zu suchen.
Um dies zu ergründen habe ich weit über zweihundert Bodenproben, verschiedenster Arten und Herkünfte durch das Massenspectrometer gejagt und Interessantes dabei gefunden.
Alle Knollenorchideen bevorzugen nördlich der Alpen, Böden welche reich an Kalium, Magnesium und/oder Mangan (diese beiden scheinen sich gegenseitig ergänzen zu können) sind, Stickstoff und Phosphor hingegen liegen ziemlich tief.
Sie lieben also hohe Gehalte ganz bestimmter Nährstoffe, welche z. B. für Gemüse schon an der Obergrenze zum toxischen Bereich bzw. über dieser liegen.
Also merke: Knollenorchideen wachsen auf Böden mit spezifischen Nährsalzkonzentrationen, welche für Kulturarten z. T. schon toxisch sind.
Versuche, welche klären sollten, ob dies einen Standortvorteil gegenüber der Begleitvegetation ist, verliefen negativ. Daran liegt es also nicht.
Die Antwort findet man im Mittelmeerraum. In niederen Lagen wachsen dort die Arten auf ganz normalen Böden, mit einer leichten Neigung zum Kalkboden, aber nicht zwingend mit hohen Ansprüchen an bestimmte Nährstoffe. In den höheren Lagen im Gebirge aber, das gleiche Bild wie nördlich der Alpen.
Die Ergebnisse lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass die hohen Konzentrationen der genannten Nährsalze für die Winterhärte wichtig sind.
Warum andere Böden, z. B. Sandböden welche durchaus ein besseres Wärmeklima haben, in der nördlichen Hemisphäre nicht besiedelt werden, erklärt sich aus ihrer Entstehung. Nur Kalkgesteine haben durch den speziellen Ablauf ihrer Genese eine hohe Anreicherung mit den entscheidenden Elementen erfahren, welche heute durch den Verwitterungsprozess wieder freigesetzt werden.
Deshalb und nur deshalb wachsen die meisten Knollenorchideen heute bei uns in kalkhaltigen Böden.
Dies trifft nun auf alle Knollenorchideen zu, welche erst vor wenigen tausend Jahren aus dem Mittelmeerraum oder vom Balkan in Mitteleuropa eingewandert sind. Sie halten es wie in den heimatlichen Gebirgen.
Ein interessanter Nebenaspekt. Den ich abgeleitet habe ist, dass somit auch viele mediterrane Orchideen bei entsprechendem Boden und Düngung auch bei uns im Freiland kultiviert werden können.
Ich habe es ausprobiert und es klappt.
Ausnahmen von dieser Regel sind alle Dactylorhizen (ohne D. sambucina), Ophrys insektifera, Orchis morio, Orchis coriophera und O. mascula. Sie brauchen nicht unbedingt hohe Nährsalzangebote. Diese Arten sind schon stärker angepasst, was die Vermutung nahe legt, das sie schon weit früher ins zentrale Mitteleuropa eingewandert sind.
Erstaunlich ist aber wiederum, das z. B. Ophrys insektifera an seiner nördlichen Verbreitungsgrenze südlich von St. Petersburg, bei dem dort noch kälterem Klima, dann auch nur noch wieder auf Böden mit den hohen Konzentrationen der angesprochenen Nährsalze wächst.
Als Essenz kann man also für die Kultur ableiten, man sollte Kali, Magnesium (am besten Dolomitmehl) und Mangan (ist ausreichend in Blühpflanzendünger) ins Orchideenbeet kippen, dann kann man auch im Freilandbeet mit seinen Orchideen viel Spaß haben. Wen es nicht abschreckt, der kann sich noch die nachfolgende Tabelle anschauen.
beste Grüße Manfred