Die Frage mag wohl wunderlich klingen, wenn ich durch den Garten gehen, drängt sich mir die Frage auf, ob Pflanzen Sinne haben und daher auch dumm oder raffiniert sein können.
Ich habe eine 50 Meter lange Polygoniumhecke. Getrennt durch einen 60cm breiten Weg wachsen alle möglichen Bäume und Sträuche, Fichten, Haselnuß, Weiden, Geißblatt, Nussbaum, Birken. Die gehören offensichtlich zu den schlichten Gemütern, sie wachsen möglichst der Sonne zu und strecken ihre Zweige über den Weg, ohne zu ahnen, wer auf der anderen Seite lauert.
Dort wuchert nämlich der Knöterich vor sich hin und scheint irgendwie mitzubekommen, was jenseits des Ganges vor sich geht. Er wächst nicht gleichmäßig stark auf seinen 50 Metern, sondern immer an der Stelle, wo ein interessantes Gegenüber steht, besonders kräftig. Es wachsen lange Triebe aus der Hecke, gar nicht der Sonne zu, sondern Richtung Nachbarn. Senkt sich so ein Trieb auf Grund der Länge dem Boden zu, kommen ein, zwei Nebentriebe, bündeln sich zu einem starren Seilgeflecht und können so locker den Weg überwinden, um sich am nächsten Zweig festzuschlingen. Dann geht es aufwärts in die Krone um den Baum umzubringen.
Wenn da nicht einer käme, der sich einbildet noch schlauer zu sein. Mit der großen Gartenschere schneide ich einmal in der Woche die Ranken zurück und auch den Ast, der so ungeschickt war, dem Polygonium eine Landebasis zu bieten. Dann ist wieder Ruhe im Garten, aber nachdenklich macht es mich immer wieder.