#1

Rosenschnitt

in Rosen allgemein 08.02.2010 20:24
von gretel1 • Supermoderatorin | 12.556 Beiträge

Das Frühjahr wird nicht mehr lange auf sich warten lassen und es ist wieder Zeit für den Rosenschnitt.
Das Schneiden der Rosen ist für viele Rosisten eine ziemlich individuelle Geschichte und jeder, der sich schon eine Weile mit den stacheligen Ziersträuchern beschäftigt, hat meistens seine eigene Schnittweise entwickelt.
Ich gehöre auch zu den Rosenmenschen, die sich den Strauch erst einmal ansehen und dann entscheiden, welche Äste der Schere zum Opfer fallen.

Ich habe meine Rosenbücher durchforstet, um eine Kurzfassung zusammen zu stellen, aber diesem Thema werden allgemein viele Kapitel gewidmet und es wird detailliert beschrieben. Ganz kurz geht es nicht.

Mit richtigem Schnitt kann man vieles bewirken : Neuaustrieb anregen, Blütenfülle vergrößern, Verkahlen vermeiden, Begrenzen, Wuchsverhalten beeinflußen, Verjüngung usw.

Grundsatz : starker Rückschnitt -> starker Austrieb -> kräftigere Triebe, festeres Holz, kompakter Wuchs
schwacher Rückschnitt -> schwächerer Austrieb -> lockerer Wuchs

Auge : als grünlich-rötl. erhabener Punkt zu erkennen, ist eine Knospe, aus der sich der neue Trieb entwickelt.
Geschnitten wird schräg ca. 1/2 bis 1 cm oberhalb eines Auges, das nach außen weist -> der neue Trieb
wächst nach außen, was den Strauch luftig hält, um Pilzkrankheiten vorzubeugen.

Optimaler Zeitpunkt : März bis Anfang April - Faustregel : Wenn die Forsythien anfangen zu blühen.

Grundsätzlich wird zu allererst totes Holz bodennah entfernt, egal um welche Rosenklasse/Untergruppe es sich handelt.
Bei Über Kreuz wachsenden Trieben, die sich gegenseitig behindern oder verletzen, entfernt man den dünneren.

Zwergrosen werden nur leicht zurück geschnitten.

Bodendeckerrosen brauchen nur wenig zurück geschnitten werden.
Nach Jahren auf 20 cm verjüngen.

Beetrosen (Polyantha/Floribundarosen), öfterblühend
Sie können bis auf 2 Augen zurück geschnitten werden, halbieren in der Höhe ist genauso möglich.

Edelrosen (Teehybriden), öfterblühend
Mit ihnen kann wie bei den Beetrosen verfahren werden, wobei starker Rückschnitt auch starken Austrieb zur Folge hat. Ist dies nicht erwünscht, max. die Hälfte zurück schneiden.

Strauchrosen, öfterblühend
Sie sollen in den ersten Jahren nur wachsen, können ausgelichtet werden, brauchen keinen starken Rückschnitt.
Danach Rückschnitt um 1/3 bis 1/2 der Wuchshöhe, um den Neuaustrieb zu fördern.
Stufenschnitt, d.h. außen kürzer als innen, um dem Strauch eine harmonische Form zu geben.

Englische Rosen vertragen m.E. sehr wohl einen starken Rückschnitt und das nicht erst nach Jahren, sondern bereits ab dem 2. Jahr. Ihre Triebe werden stabiler und können die schweren gefüllten Blüten besser tragen.

Strauchrosen, einmalblühend
Sie blühen am mehrjährigen Holz und werden im Frühjahr nur ausgelichtet, Totholz wird entfernt.
Bei Bedarf erfolgt der Schnitt nach der Blüte im Sommer.

Stammrosen, öfterblühend
Starker Rückschnitt auf wenige Augen. Darauf achten, daß die Krone rund und kompakt wird.

Kaskadenrosen, öfterblühend
In den ersten 3 Jahren gar nicht schneiden, danach wie öfterblühende Kletterrosen.

Kaskadenrosen, einmalblühend
Nach der Blüte auslichten und die Nebentriebe bis auf 2 Augen zurück nehmen.

Kletterrosen, öfterblühend
Sie blühen am mehrjährigen Holz und an den diesjährigen Trieben.
Ab dem 2. oder 3. Jahr alle Seitentriebe bis auf ca. 4 Augen zurück schneiden. Zu dünne und zu dicht stehende Seitentriebe können bis zum Ansatz zurück geschnitten werden.
Kletterrosen blühen bevorzugt an den oberen Triebenden (höchst gelegene Augen). Bindet man einige Triebe waagerecht oder spiralförmig an, werden die Triebe auf der ganzen Länge zum austreiben angeregt und bilden auch dort überall Blüten.
Stufenschnitt : einige Basistriebe auf unterschiedliche Höhe einkürzen -> sie verzweigen sich dann auch dort und blühen auch im unteren Bereich.
Wichtig, wenn Rosen vor einer Mauer oder Wand stehen : zwischen Spalier und Mauer müssen mindestens 10 cm Platz frei bleiben, damit sich dort die Hitze nicht stauen bzw. die Luft zirkulieren kann.

Kletterrosen + Rambler, einmalblühend
Blühen nur am mehrjährigen Holz, sie werden also nicht im Frühjahr geschnitten !
Sorten, die Hagebutten bilden, werden auch nach der Blüte nicht geschnitten.
Man schneidet Einmalblüher grundsätzlich nach der Blüte im Sommer, z.B. um sie in Form zu bringen oder weil sie zu ausladend geworden sind. Die Triebe, die dann nachwachsen, tragen im nächsten Jahr Blüten.


Alte, historische, Rosen neigen zu seitlichen langen Peitschentrieben, die man ohne Nachteile zurück schneiden kann.

Wildrosen werden gar nicht geschnitten.

Rugosas (Rugosa-Hybriden) werden behandelt wie öfterblühende oder einmalblühende Rosen, je nach Sorte.

Blütezeit verlängern : Um die Blühpause der öfterblühenden Rosen nach dem ersten Flor zu umgehen, bedient man sich eines Tricks, dem Pinzieren. Man entfernt bei einigen Trieben die Spitze samt Knospe -> die darunterliegenden Augen treiben sofort wieder aus und blühen genau dann, wenn der 1. Flor verblüht ist.


Grundsätzlich gibt es 2 Arten von Rosen, Strauchrosen und Kletterrosen.
Das Wichtigste, was man an Einteilung/Rosenklasse wissen muß, ist einmalblühend oder öfterblühend.
Hat man zuviel abgeschnitten, wird die Öfterblühende es wegstecken und etwas später blühen. Die Einmalblühende steckt es auch weg, man muß nur 1 weiteres Jahr auf die Blüten warten und weiß dann, daß sie 1 x blühend ist.


LG
gretel
Klimazone 8a NRW

zuletzt bearbeitet 09.02.2010 17:33 | nach oben springen

#2

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 08.02.2010 20:36
von butterfly • Admin | 12.137 Beiträge

Eine gute Zusammenfassung, Gretel.

Ich schneide auch nach Gefühl und Auge. Bei einigen Rosen fällt mir das leicht, bei anderen laufe ich mehrmals um die Rose, bevor ich die Schere ansetze. Was mir aber aufgefallen ist, mit den Jahren wird man im Schnitt radikaler.


sonnige Grüße
Anja

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#3

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 09.02.2010 17:10
von Claudia (gelöscht)
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dazu muss ich euch eine lustige Geschichte erzählen hihi. Meine Schwester möchte sich gerne eine PHM an eine Kastanie setzen und fragte mich um Rat. Es ging ua. auch um einmal und öfter blühende Rosen. Mein Alter Herr war zufällig auch anwesend und meinte, durch "vernünftigen Rückschnitt" könnte man jede Rose dazu bringen öfter zu blühen...und wenn der so seine Meinung zu einem Thema hat na ja, auf jeden Fall würde er mit seiner Schnitt-Technik wohl in die Rosengeschichte eingehen


Rosige Grüße Claudia

Klimazone 7b
______________________________________________________________
In der Enge unseres heimatlichen Gartens, kann es mehr Verborgenes geben, als hinter der Chinesischen Mauer
(Antoine de Saint-Exupery)

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#4

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 09.02.2010 18:18
von butterfly • Admin | 12.137 Beiträge

Väter eben.


sonnige Grüße
Anja

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#5

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 09.02.2010 19:34
von Nostalgie • Moderatorin | 6.516 Beiträge

Männer!!


"Düfte sind die Gefühle der Blumen"
- Heinrich Heine -

LG
Nostalgie

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#6

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 16.03.2012 21:55
von trollbraut • Hängemattentester | 2.278 Beiträge

Rosenschnitt
- für mich doch immer wieder ein schwieriges Thema.

Da hatte ich mir so schön vorgenommen, nächstes Frühjahr bist´e mal so
richtig radikal und nun.....
nun finde ich es schon wieder viel zu schade diese vielen Knospen alle abzuschneiden.

Die herbstgepflanzten Stumpen noch einmal einzukürzen erscheint mir noch sinnvoll,
den Sie sollen sich ja von unter her schön aufbauen.
Aber das ist es ja bei dann bei meinen Zweijährigen. Da hat sich jetzt "was aufgebaut"
und nun wieder runterschneiden??? Dann fange ich ja wieder von vorne an?

Am unsichersten bin ich bei den Edelrosen. Die bekommen bei mir alle nur einen
langen "Pinn"und das war es dann.

Und dann gibt es noch die Dünntriebigen. Beispiel "Alexandra Princess de Luxemborg",
Letztes Jahr hatte ich sie ordentlich runtergeschnitten, Sie wuchs gut und blühte gut.
Da Sie aber noch so gut aussieht, habe ich Sie dieses Jahr nur knapp eingekürzt und totes
beseitigt.
Meine Rechnung; mehr lange Triebe = mehr Laub = mehr Blüten
? Oder sehe ich das falsch?


gruß Anke

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#7

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 16.03.2012 22:30
von gretel1 • Supermoderatorin | 12.556 Beiträge

Über Totholz und braunes Mark brauchen wir uns ja nicht den Kopf zu zerbrechen, das muß alles weg.
Zweijährige Strauchrosen sind dabei, sich aufzubauen. Wenn sie ok sind und Dir vom Wuchs gefallen, brauchst Du nicht viel schneiden, aber die Faustregel - 1/3 soll ab - finde ich bei öfterblühenden nicht verkehrt. Mit dem Schnitt regt man sie zum Austrieb an. Wenn Dir 1/3 zuviel ist, nimm halt nur 10 cm weg oder nur die Spitze..
Portlands zb.mögen keinen starken Rückschnitt.
Bei den 1 x Blühern würde ich im Frühjahr nichts oder nur ganz wenig schneiden, lieber nach der Blüte im Sommer - wenn die jetzt stark zurück geschnitten werden, schneidet man das meiste der Triebe ab, an denen sich die Blüten bilden.

Edelrosen sollen relativ stark geschnitten werden, wie Beetrosen, also mindestens die Hälfte soll ab, eher noch was mehr. (Ich hab nur 3 THs und die sind wieder nur Stummel, letzte Chance dieses Jahr...)

Probiere es einfach aus und wenn Du das Gefühl hast, Du hättest mehr schneiden können, kannst Du das beim Ausschneiden von Verblühtem noch nachholen, schneidest dann einfach etwas tiefer ab.
Und wenn Du meinst, Du hättest zuviel abgeschnitten, dann wirst Du das im nächsten Frühjahr anders machen.


LG
gretel
Klimazone 8a NRW

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#8

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 16.03.2012 22:58
von trollbraut • Hängemattentester | 2.278 Beiträge

Danke dir erst einmal herzlichst!

Da hast du wohl genau den Punkt getroffen.(Probiere es einfach aus und wenn Du das Gefühl hast...)

Ich habe nun schon Bücherweise über Rosen gelesen und dieses Wissen mag eine Menge helfen,
aber letztlich braucht man "das Gefühl".
Die eigene Praxis und Erfahrung.
Bin ja auch auf dem guten Weg halt nur noch ein wenig unsicher.

Dank dir nochmal
die trollbraut


gruß Anke

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#9

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 17.03.2012 10:03
von Gregor • Rabattenstylist | 1.115 Beiträge

Ich habe die Robustas auch gekürzt, vor allem an den stärkeren Trieben, wo ich schöne Augen erkennen konnte.
Also die Robustas in der Hecke, die so stark gewachsen sind, damit möglichst viel enues Holz nachkommt. Die Robusta zu Hause, die ich umsetzte, da sie am alten Platz etwas kümmerte, habe ich eigentlich nicht geschnitten, da ich erst sehen möchte, wie sie sich jetzt entwickelt.

Damit habe ich sie auch gleichzeitig in Form gebracht. Bei Wildrosen habe ich dürre und reibende Zweige entfernt/gekürzt, der Schnitt sollte halt so erfolgen, dass man danach nicht merkt, dass die Rose geschnitten wurde und das war bei mir der Fall. Musste dann sogar mal selbst überlegen, bei welcher ich schon war und bei welcher noch nicht.

Sonst alles gut zusammengefasst, das mit den Wildrosen ist halt nicht immer so, das man sie gar nicht schneiden muss, es sei denn, sie haben von vorne herein so eine schöne Form und keine ausfälligen oder abgestorbenen Triebe, dann ist natürlich nichts zu machen. ;)

Angefügte Bilder:
DSC01313.JPG
DSC01314.JPG
DSC01315.JPG

zuletzt bearbeitet 17.03.2012 10:17 | nach oben springen

#10

RE: Rosenschnitt

in Rosen allgemein 17.03.2012 12:15
von Anke • Regenwurmbeschwörer | 984 Beiträge

Danke auch von mir für die nochmalige Rückmeldung an Gretel!

Das beruhigt mich ein wenig, da ich momentan gerade erst zum 2. Mal in meinem kurzen "Gartenleben" überhaupt Rosen schneide - und manche davon erst zum 1. Mal.
Dabei hatte ich mich gefragt, ob ich einen "zu zaghaften" Rückschnitt später noch ausgleichen kann - oder im folgenden Jahr tiefer schneiden - oder ob die Rosen dann im Folgejahr einen tieferen Schnitt nicht vertragen und evtl. weiter unten nicht mehr austreiben. Anscheindend ist das aber wohl kein Problem.

Ich wollte bei einigen nicht zu tief schneiden, um nicht komplett alle "Verzweigungen" raus zu nehmen, die diese im letzten Jahr gebildet haben. Ansonsten traue ich mich durchaus auch mal "etwas radikaler" zu sein

So, jetzt werde ich noch die Glanzmispeln weiter schneiden und darauf hoffen, dass sie bei starkem Schnitt wieder dichter verzweigt austreibt...
Die Feldahornhecke kommt später, da sie gerade erst wieder frisch dicke Knospen bekommt.

Und zurück in den Garten....


Sonnigliebe Grüße
Anke

zuletzt bearbeitet 17.03.2012 12:16 | nach oben springen





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